Bedürfnisse Sterbender

Ich werde sterben

Die Diagnose: Sie haben nicht mehr lange zu leben, entwurzelt jeden; ob alt oder jung.

Meine Oma ist 95 Jahre geworden.

 

Kurz vor ihrem Tod stellte ich ihr eine Frage: Ist das in Ordnung für dich, wenn du nun, nach so einem langen Leben, sterben musst?

 

 

Sie meinte: Nein. Egal wie alt ich bin, ich möchte leben.

 

Über ihre Antwort muss ich auch heute noch oft nachdenken. Sie ist ein paar Tage später bei mir im gemeinsamen Haus friedlich eingeschlafen.

 

Bedürfnisse Sterbender

Und uns allen ist klar, wie schlimm es erst jüngeren Menschen ergehen muss, wenn sie der unausweichlichen Wahrheit ins Auge blicken müssen.

 

Jeder hat andere Bedürfnisse und gerade Sterbende werden oft falsch verstanden.  

 

Meine liebste Freundin ist im November 2015 gestorben, aber in den Wochen davor habe ich noch viel von ihr gelernt.

 

Sie meinte, dass sich Kranke (sie hat sich selbst bis kurz vor ihrem Tod als genesend gesehen), von niemandem verstanden fühlen. Kranke leben in ihrer eigenen Welt.  

 

»Dem Tod begegnen und Hoffnung finden«

Daraufhin habe ich mich noch intensiver mit dem Thema beschäftigt.

 

Aus Christine Longakers Buch »Dem Tod begegnen und Hoffnung finden« haben mich besonders die Bedürfnisse eines Sterbenden berührt.  

 

Folgende Ausschnitte aus ihrem Buch möchte ich mit Ihnen teilen:

»Wenn du mir zuhören und mich akzeptieren kannst, ohne den Versuch zu machen, mich umzustimmen oder in gute Launen zu versetzen, werde ich irgendwann darüber hinwegkommen, mich entspannen und vielleicht sogar wieder mit dir lachen.«

 

»Wegen des enormen Stresses, den ich durchmache, kann es passieren, daß die schlimmsten und abscheulichsten Seiten meiner Persönlichkeit  zum Vorschein kommen. Wenn das geschieht, brauche ich die Erlaubnis, mich eine Weile »völlig danebenbenehmen« zu dürfen.«

 

»Keine Sorge, ich finde schon zurück.Weißt du, daß ich mich fürchte, meine wahren Gedanken und Gefühle auszudrücken? Was, wenn alle Menschen, die mir wichtig sind, davonlaufen und mich im Stich lassen?«

 

»Betrachte mich nicht mit Bedauern, sondern mit all deiner Liebe und einem Mitgefühl. ... Ich möchte, daß man mich wie einen normalen Menschen behandelt und mich am Leben teilhaben lässt. Denke nicht, daß du nicht völlig offen zu mir sein kannst. Sag mir ruhig, wenn ich dir das Leben schwermache oder wenn du Angst hast oder traurig bist.«

 

Angst vor dem Tod - Angst vor dem Alleinsein

Ich weiß, dass Sterbende ein offenes Ohr suchen, oft Angst vor dem Tod und dem Alleinsein haben, sich schwach und elend fühlen, aber auch starke und angenehme Momente durchleben.

 

Ihre Bedürfnisse zu erkennen, zu respektieren und liebevoll zu erfüllen, ist das schönste Geschenk, was wir ihnen reichen können.

 

Mein Wunsch ist es, dass wir sie besser verstehen und ihnen eine echte Hilfe sein können.

 

Mit den Bedürfnissen unheilbar Kranker geht es hier weiter. 

 

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