Bestattung im Friedwald

Stille und Hoffnung im Friedwald

»Wenn man alles, was einem begegnet, als Möglichkeit zu innerem Wachstum ansieht,

gewinnt man innere Stärke.«

 

Mit diesen Worten von Milarepa, einem der größten tibetischen Dichter, heiße ich Sie herzlich willkommen.

 

Auch Sie müssen oder mussten wahrscheinlich schon schwierige Stunden, Tage oder Wochen durchleben. 

 

Situationen, die einem große Angst machen, versuchen einige zu meiden, andere halten mit Müh und Not durch. Es gibt Ereignisse, vor denen man schon Tage, gar Wochen vorher, regelrechte Horrorgedanken hat, wenn man nur daran denkt. 

 

Und dazu gehören auch Bestattungen.

 

Ummantelt von Trauer kann man aber auch Stille und Hoffnung finden ... im Friedwald.

 

Beisetzung der liebsten Freundin

Nachdem meine Freundin gestorben war, nahte ihre Beisetzung. Schon Tage vorher spielte sich das Bevorstehende in meinem Kopf wie ein Szenarium ab. 

 

Im engsten Kreis herrscht Trauerstimmung und viele der Bekannten sehen sich erst bei der Beisetzung wieder.

 

Auch ich muss den schweren Weg gehen.

 

Ich habe Angst, es nicht durchzustehen.

 

Ich sehe die bevorstehende Situation genau vor mir.

Ich steige aus dem Auto.

Vor mir gehen viele schwarz gekleidete Menschen. 

 

Meine Knie zittern, unter den Achseln wird es feucht, im Hals steckt ein Kloß und die

Tränen brechen hervor.

 

Schmerzen, Angst, Weinen - Liebe

Ich sehe mich einen Fuß vor den anderen setzen und auf die ersten Trauergäste zugehen.

 

Ausgerechnet der intimste Hinterbliebene läuft mir zuerst über den Weg. 

Wir liegen uns bleich und tränenüberströmt in den Armen.

 

Mein Make-up verläuft.

 

Wir lassen uns los und ich gehe weiter - von Einem zum Anderen.

 

Schmerzverzerrte Gesichter, Beine unter schwarzem Nylon, kalte Hände, bebende Körper.

 

Ich laufe, wie ein Uhrwerk, und plötzlich schwebt vor mir ein Herz.

 

Ein naturfarbener Ballon hängt am Arm einer in der Menge stehenden Frau.

 

Wir drücken uns herzlich, halten uns fest, spüren unsere Herzen wild schlagen und versuchen verzweifelt die weinenden Augen abzulenken. 

 

Fast gleichzeitig gehen unsere Köpfe nach oben und ein unmerkliches Lächeln huscht über unsere Gesichter.

 

Tiefe Liebe durchzieht unsere Herzen und der Schmerz, die Angst, lassen für Sekunden nach.

 

Bestattung im Wald-im Friedwald

Wir zwei sind Geschwister und wollen an diesem Tag unsere gemeinsame Freundin auf deren letzten Weg begleiten.

 

Die Bestattung findet in der Natur, im Friedwald, statt.

 

Der Förster trägt die kleine Urne und an einem stattlichen Baum findet meine Freundin ihre Ruh.

 

Ein Freidenkerherz, welches sein Umfeld mehr als einmal verwirrt, geschockt, aber auch geliebt hat, lebt jetzt im kraftvollen Baum weiter.

 

Ich lege meine Hand auf die harte, unebene Rinde und streiche wehmütig darüber.

 

»Leb wohl, mein Herz, meine Sonne, meine liebste Freundin. Ich vergesse dich nie.«

 

Ich schließe die Augen.

 

Stille

Meine Hand wird genommen und ich werde behutsam fortgezogen.

 

Blicke begleiten meine Schwester und mich und unseren Herzballon. Majestätisch schwebt er über uns und mit jedem Windstoß versucht er zu entfliehen.

 

Wir befestigen Kärtchen mit Wünschen für unsere Freundin und geben dem Herz die Freiheit.

 

Plötzlich schauen alle Umherstehenden zum Himmel und eine tiefe Verbundenheit macht sich breit. Jeder trägt andere Gedanken hinterher und jeder empfindet auf seine Art.

 

Viele Hände finden zueinander, Paare, Familien, Freunde nehmen sich in den Arm, halten und stärken sich.

 

Ein Moment der Dankbarkeit, ein Moment der Stille und des Friedens.

 

Hoffnung

In jeder Situation stecken hoffnungsvolle Momente, vielleicht nur klitzekleine, aber es sind die, die alles verändern. Es sind die, die einem Hoffnung, Kraft und Mut inmitten der angstmachenden, qualvollen Momente schenken.

 

Ich habe den Tag der Bestattung im Friedwald gestärkt überstanden. Wir haben tatsächlich zwei Herzballons mit Wünschen steigen gelassen. Unsere Angst ist mit den Ballons gegangen und was bleibt, ist ein inniger warmer Moment.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in schweren Augenblicken auch Hoffnung finden und das Herz sehen.

 

Es mag kein Ballon sein, der über Ihnen schwebt. Ein Band der Verbundenheit, ein gemeinsames Ziel, gemeinsame positive Erinnerungen und vieles andere kann den Schrecken in angsterfüllten Situationen nehmen.

 

Es ist sogar möglich, dass sich traurige, schmerzhafte Augenblicke verwandeln und eine Liebe der besonderen Art entsteht.

 

Hören Sie auf Ihr Herz und finden Sie inneren Frieden.

Ich schicke Ihnen Kraft, Mut und Willensstärke und verbleibe in Liebe und tiefer Verbundenheit; Ihre Sylvana Pollehn.

 

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