Elisabeth Kübler-Ross: Sterbephasen

Elisabeth Kübler-Ross Sterbephasen von Sylvana Pollehn
Elisabeth Kübler-Ross Sterbephasen von Sylvana Pollehn

Sterbephase 2 - Zorn

 

Letzte Woche habe ich begonnen, über die Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross zu sprechen. Warum ist es für Pfleger, Angehörige Sterbender und Sterbebegleiter wichtig, diese zu kennen? 

Und hilft es dem Sterbenden auch?

 

Ich bin der Meinung, dass sogar Schwerstkranke durch die Kenntnisse über den Ablauf des Sterbens, Prozesse und Zustände realistischer, weniger befremdlich, weniger ängstlich sehen und einige mehr Verständnis für eigene Gefühle aufbringen werden.

 

 

 

Und alle, die mit der betroffenen Person zu tun haben, werden durch dieses Fachwissen viel entspannter und somit für alle angenehmer agieren. 

 

Gutes für Körper, Geist und Seele.

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Fünf Sterbephasen

Laut der bekannten Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross sprechen wir von fünf Sterbephasen, in denen die psychischen Vorgänge in Todesnähe beschrieben werden.

 

Jeder Prozess verläuft sehr individuell, kann Minuten bis Jahre dauern, manche Phasen werden übersprungen, andere wiederholt.

 

2. Phase - Zorn

Der 1. Phase des Nicht-wahrhaben-Wollen folgen Zorn, Groll, Abneigung. 

 

Ich stelle mir vor, was in einer Person vorgeht, die sterben muss. 

 

Es reicht doch schon, wenn wir krank auf der Couch liegen und unser Partner geht seinen gewohnten Tagesabläufen nach. Er macht sich frisch, rasiert sich, zieht sich schick an. Der Duft des Mannes durchzieht das Haus. Wir liegen da und können uns kaum regen.

 

Er gibt uns beschwingt einen Kuss und verabschiedet sich bis zum Abend. 

»Toll«, denken wir, »der verzieht sich den ganzen Tag und wir müssen hier rumliegen.«

 

Die Mutter, die uns besuchen kommt und Mittag kocht und putzt, bekommt sofort unseren Wortschwall der deprimierten, wütenden und gereizten Stimmung ab. 

 

Jede Vernunft, die uns sagt, dass niemand etwas dafür kann, wenn wir seit Tagen liegen müssen, hilft nichts. 

 

Wir sind sauer, genervt, wollen aufstehen, etwas tun - denn wir sind ja sonst immer sehr aktiv - und nun das.

 

Wieso muss ausgerechnet ich jetzt sterben?

Wie ergeht es da erst einem Menschen, der sich damit abfinden soll, dass er sterben wird? Der Gedanke zerreißt einem alle Sinne. 

 

Ich würde es auch nicht hören wollen, und wenn ich es verstanden hätte, würde ich die ganze Welt hassen. 

 

Wieso muss ausgerechnet ich jetzt sterben, würde ich angesichts vieler noch Älterer und ihr ganzes Leben Kranker denken. 

 

Zorn, Wut, Groll

Und dann kommt in diesem herzzerreißenden Zustand, mein Mann an das Krankenbett und hält eine Rose in der Hand. 

 

Die will ich nicht, ich will gar nichts und drehe mich verzweifelt und wütend weg. 

 

Er ist verärgert und die nächsten Tage verhärtet es sich. 

 

Ich bin gereizt, aufbrausend und habe einen unmöglichen Ton. 

 

Er kommt seltener und andere auch und ich grolle vor mich hin.

 

Alles nachvollziehbar, finde ich.

 

Die Dinge aus der Hand geben zu müssen, nicht mehr Herr der Lage zu sein, mit dem Kämpfen aufhören zu müssen, das ist so was von schwer und erscheint mir fast unmöglich.

 

Wie viel Kraft und Energie kostet es, wenn man sich im Sterbeprozess befindet?!

 

Alternative Hilfen.

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Ich bin noch nicht tot - Botschaft

Es ist uns also klar, warum ein Sterbender voll Zorn ist und wir können es verstehen. 

 

Das kann uns bei der Betreuung helfen, denn nun können wir versuchen sein Verhalten mit anderen Augen zu sehen. 

 

Wir können toleranter sein und jegliche Aggressionen als: »Ich lebe noch. Ich bin noch nicht tot« - Botschaft akzeptieren.

 

Verhalten erkennen

Wir wissen, dass unser Verhalten sich in dem des anderen widerspiegelt.

 

Darum wäre es schön, wenn wir nicht zurückgeben, was wir gerade bekommen.

 

Es schürt nur unnötig das Feuer und mal ehrlich: Wir haben doch überhaupt keinen Grund auf einen Sterbenden sauer zu sein. Wir sind es, die weiterleben dürfen und er muss alles aufgeben. 

 

Voller Kraft - voller Leben

Es wäre schön, wenn wir es schaffen könnten, tolerant und mit Verstand an einen Sterbenden rantreten zu können.

 

Es wäre toll, wenn wir unser eigenes Ich zurücknehmen und dem Schwerstkranken die Möglichkeit lassen würden, uns zu zeigen, dass er noch Herr seiner Sinne, seiner Kraft und voller Leben ist.

 

Sterbephase 3 - Verhandeln

In der nächsten Woche geht es um Sterbephase 3 - "Verhandeln" von Elisabeth Kübler-Ross.

 

Anderen Beitrag lesen:

Klicken Sie hier: Sterbephase 1

Klicken Sie hier: Von Sterbenden lernen

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Hier klicken: Sterbephase 1 - Nicht-wahrhaben-Wollen"

Hier klicken: Sterbephase 2 - Zorn

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