Ärztin Elisabeth Kübler-Ross - Sterbephasen

Leben, Sterben, Tod, Trauer - Hilfe finden
Sterbephase 4 - Depression, Elisabeth Kübler-Ross, Beitrag von Sylvana Pollehn

Sterbephase 4 - Depression

Die ersten drei Sterbephasen betitelt sie als »Nicht-wahrhaben-wollen«, »Zorn« und »Verhandeln«. Ich finde, dass es für Sterbende, für die Familie und für Sterbebegleiter genau wie für Trauernde hilfreich ist, etwas über die Abläufe des Sterbens zu wissen. 

 

Es ist aber auch für jeden anderen Menschen nützlich, denn eines Tages betrifft es uns alle.

 

Die Sterbephasen verlaufen sehr individuell. Der gesamte Sterbeprozess kann Minuten bis Jahre dauern, Phasen werden übersprungen, andere wiederholt.

 

Wenige Menschen beschäftigen sich freiwillig mit dem Tod. Darum haben wir auch enorme Angst, aber wie im täglichen Leben, erschwert Unkenntnis die Abläufe zusätzlich.

 

Die Phase 4 nennt Frau Kübler-Ross »Depression«. 

 

Zwei Formen der Depression

Mit dem Wort Depression können die Meisten etwas anfangen, aber durch die Erläuterungen der Sterbeforscherin habe ich gelernt, dass es zwei Formen diesbezüglich gibt.

 

Nehmen wir ein Beispiel:

Frau L. erfährt, dass sie unheilbar erkrankt ist. 

 

Von heute auf morgen wird sie operiert und muss sich einer Therapie unterziehen. 

Von heute auf morgen ist sie nicht mehr bei ihrer Familie, nicht bei den Enkeln und auch nicht mehr für ihren Mann da. 

 

Sie ist dermaßen kraftlos, dass sie in die Kurzzeitpflege muss und auf Grund der nicht behindertengerechten Wohnung munkelt man von einem Pflegeheim. 

 

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Bis vor der Diagnose betreute sie mehrmals in der Woche ihre zwei Enkel. Sie kaufte ein, kochte und putzte. Seit sie mit ihrem Mann verheiratet ist, bügelte sie seine Sachen und kümmerte sich um fast alles, was es im Haushalt zu erledigen gab.

 

Sie ist wütend und verzweifelt.

Wer kümmert sich jetzt darum? Wie wird ihr Mann klarkommen, der doch gar nicht gewohnt ist, die Dinge selbst zu erledigen?

 

 

Wer holt den Kleinen aus dem Kindergarten und wer unterstützt den Großen bei den Hausaufgaben. Ihre Tochter kommt ja immer so spät von der Arbeit und der Schwiegersohn auch.

 

Ängste und Qualen minimieren

Sie ist unruhig, aufgewühlt und sucht verzweifelt eine Lösung. Sie macht sich selbst Vorwürfe, weil sie nicht mehr ihren Pflichten nachkommen kann. 

 

In dieser Form der Depression würde es sehr helfen, wenn alle Angelegenheiten schnellstens geklärt und ihr die enorme seelische Belastung genommen wird. 

 

Ich stelle mir vor, wie die Familie und Nachbarn oder Freunde vorerst einspringen und dadurch Ängste und Qualen minimieren. 

Ich sehe Frau L. aufatmen, wenn sie ihr erklären, wie sie alles gelöst haben.

 

Depression - zweite Form

Erst jetzt beginnt sie sich der Krankheit zu stellen und begreift, was auf sie zukommt. 

 

Sie muss sich von allem verabschieden. 

Sie trauert um den Verlust der Gesundheit, der Selbständigkeit, der Wohnung - des gewohnten Lebens.

 

Sie befindet sich in einem schwarzen Loch - hier spricht die Ärztin von der zweiten Form der Depression.

 

Nichts wird je wieder so sein, wie es war.

 

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Schmerz und Qualen verstehen

Laut Elisabeth Kübler Ross hilft hier nicht, ihr einzureden, dass sie positiv denken solle, weil sie zum Beispiel noch Therapien bekommt, die bei anderen schon zwecklos sind.

 

Es hilft nicht, ihr zu sagen, dass sie nicht traurig sein soll.

 

Jetzt hilft eher ihr zu zeigen - dass sie nicht allein ist, dass wir ihren Schmerz und ihre Qualen verstehen und mit ihr teilen. 

 

»Zu viel Einmischung von Besuchern, die ihn abzulenken versuchen, fördert seine emotionale Vorbereitung nicht, sondern hemmt sie eher.«*

 

*Elisabeth Kübler-Ross, Interviews mit Sterbenden, Kreuz Verlag, 5. Auflage 2013, S. 116 

 

Betroffene müssen trauern

 

Eine wichtige Erkenntnis habe ich aus ihren Worten gewonnen: Es ist ausschlaggebend, dass man die unterschiedlichen Depressions-Formen erkennt und dementsprechend reagiert. 

 

Außerdem ist es notwendig, den Betroffenen trauern zu lassen.

 

Und nur dann ist es laut Frau Kübler-Ross möglich, friedlich zu sterben und bereit dafür zu sein.

 

Sterbephase 5 - Zustimmung

In der nächsten Woche geht es um Sterbephase 5. Sie wird von der Sterbeforscherin Elisabth Kübler-Ross »Zustimmung« genannt.

 

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Sterbephase 1 - Nicht-wahrhaben-wollen

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Sterbephase 3 - Verhandeln

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Sterbephase 4 - Depression

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